Eine gerissene Starterschnur ist einer der häufigsten Gründe, warum eine Motorsense wochenlang in der Ecke steht, obwohl es sich eigentlich um eine Werkbank-Arbeit handelt, die du in einer Kaffeepause erledigen kannst. Die einzige echte Gefahr im gesamten Ablauf ist die Rückholfeder, und die ist völlig beherrschbar, wenn du sie respektierst.
Was du brauchst
- Ersatz-Starterschnur mit passendem Durchmesser (meist 3.0-3.5 mm geflochtene Nylonschnur)
- Schraubendreher-Set (die Gehäuseschrauben sind meist Kreuzschlitz oder Torx)
- Zange oder Spitzzange
- Ein Feuerzeug oder eine kleine Lötlampe, um die abgeschnittenen Schnurenden zu versiegeln
- Schutzbrille (nicht verhandelbar, siehe unten)
- Ein Lappen und etwas Fett (Lithiumfett reicht) für die Seilrollenachse
Warum die Schnur überhaupt reißt
Finde heraus, warum die alte Schnur kaputtgegangen ist, bevor du eine neue einbaust – sonst machst du das in einem Monat schon wieder.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Schnur ausgefranst und in der Nähe des Griffs gerissen | UV-/Alterungsschäden, Schnur zu dünn für die Zugkraft | Mit dem richtigen Durchmesser ersetzen, Maschine nicht in direkter Sonne stehen lassen |
| Schnur direkt an der Seilrolle abgerissen | Scharfer Grat in der Rollenrille oder der Gehäusebohrung | Vor dem Einbau mit feinem Schleifpapier entgraten |
| Schnur zieht sich nicht zurück, liegt locker | Rückholfeder gebrochen oder verrutscht, oder Feder von der Seilrolle gelöst | Feder prüfen, eventuell neue Feder nötig (Fall für den Händler, wenn die Feder falsch aufgewickelt ist) |
| Griff lässt sich ziehen, aber der Motor dreht nicht durch | Schnur in Ordnung, Problem liegt am Klinken-/Sperrklinkenmechanismus, nicht an der Schnur | Andere Reparatur, hier nicht behandelt |
| Schnur fühlt sich sandig oder steif an | Schmutz/Sand im Gehäuse festgesetzt | Gehäuse und Seilrollenachse reinigen, nur die Achse leicht einfetten |
Schritt 1: Das Seilzugstarter-Gehäuse ausbauen
Bei den meisten handgeführten Motorsensen ist der Seilzugstarter als anschraubbare Einheit über dem Schwungrad montiert, meist gehalten von zwei bis vier Schrauben rund um den Rand.
- Stelle sicher, dass der Motor kalt ist und der Zündkerzenstecker abgezogen wurde — das verhindert jede Möglichkeit, dass der Motor anspringt, während du in der Nähe des Schwungrads arbeitest.
- Entferne die Gehäuseschrauben und hebe die komplette Startereinheit vom Motor ab. Du musst dafür weder Schwungrad noch Kraftstoffleitungen noch Luftfilter anfassen.
- Lege das Gehäuse mit der Seilrolle nach oben auf eine saubere Werkbank.
Sicherheitshinweis: Ziehe den Zündkerzenstecker ab, bevor du den Starter berührst. Ein Motorsensenmotor kann durch einen Zug an der Schnur anspringen, selbst bei ausgeschalteter Zündung, und du willst keine Finger in der Nähe eines drehenden Schwungrads oder Messers haben.
Schritt 2: Federspannung sicher lösen — lies dies, bevor du irgendetwas anderes tust
Das ist der Schritt, bei dem die meisten Fehler passieren. Die Rückholfeder in der Seilrolle steht unter Spannung aufgewickelt, und wenn du die Rolle unachtsam abreißt, kann sie sich gewaltsam lösen und dir dabei eine Fingerkuppe oder ein Auge verletzen.
- Betrachte mit dem Gehäuse auf der Werkbank die Seilrolle. Falls die Schnur noch intakt ist, du sie aber vorsorglich ersetzt, ziehe den Griff heraus, bis du die Kerbe/Bohrung am Rollenrand siehst, in der das Schnurende sitzt.
- Halte die Seilrolle fest mit einer Hand, löse den Knoten der alten Schnur vorsichtig aus der Kerbe und lass die Rolle dann langsam in deinem Griff rotieren, während sich die Feder entspannt — zähle dabei die Umdrehungen, du brauchst diese Zahl später. Lass niemals einfach los.
- Wenn die Schnur schon gerissen ist und sich die Rolle teilweise oder ganz entspannt hat, behandle sie als bereits entspannt, prüfe aber trotzdem, ob die Feder aus ihrer Führung gesprungen ist — genau hier passieren die meisten Verletzungen, denn eine noch teilweise gespannte Feder kann herausschnellen, wenn du die Rolle falsch herum anhebst.
- Sobald sich die Rolle frei und ohne Widerstand dreht, ist die Feder sicher entspannt. Erst jetzt solltest du die Rolle herausheben, falls du Zugang zur Feder selbst brauchst (Reinigung, Austausch einer gebrochenen Feder oder Entfernen von Schmutz darunter).
Sicherheitshinweis: Trage bei diesem Schritt eine Schutzbrille. Rückholfedern sind flache, aufgerollte Stahlfedern unter echter Spannung — wenn eine aus dem Gehäuse entkommt, bewegt sie sich schnell und unberechenbar. Wenn du dir beim kontrollierten Abwickeln nicht sicher bist, oder die Feder verbogen, korrodiert aussieht oder bereits aus ihrer Führung gesprungen ist, ist das ein legitimer Fall für den Händler — eine Ersatz-Startereinheit ist oft günstiger als die Zeit, die eine Federverletzung oder ein verpfuschtes Aufwickeln kostet.
Schritt 3: Die neue Schnur einbauen und einfädeln
- Vergleiche Durchmesser und Länge mit der alten Schnur (oder der Herstellerangabe des Gehäuses) — ein Durchmesser von 3.0-3.5 mm ist typisch für handgeführte Motorsensen, mit Längen von meist 90-120 cm.
- Falls das Schnurende noch nicht versiegelt ist, schmelze es kurz mit einem Feuerzeug an und rolle es zwischen den Fingern (vorsichtig, sobald es etwas abgekühlt ist), um eine harte, leicht spitz zulaufende Spitze zu formen. Das verhindert Ausfransen und erleichtert das Einfädeln.
- Fädle die Schnur zuerst durch die äußere Führungsbohrung des Gehäuses, dann von der Unterseite her durch die Bohrung der Seilrolle, und ziehe sie durch, bis ein gutes Stück heraussteht.
- Binde einen sicheren Knoten in das Ende — ein doppelter einfacher Knoten oder ein Achterknoten funktionieren beide. Der Knoten muss zu groß sein, um unter Last durch die Bohrung der Seilrolle zurückgezogen zu werden.
- Setze den Knoten in die Vertiefung der Seilrolle, sodass er bündig sitzt und beim Drehen der Rolle nicht am Gehäuse hängen bleibt.
- Fädle das äußere Ende der Schnur durch den Startergriff und verknote es auf die gleiche Weise, überschüssige Länge abschneiden.
Schritt 4: Die Rückholfeder vorspannen
- Drehe die Seilrolle von Hand in die gleiche Richtung, in die sie sich beim Lösen entspannt hat (dadurch wird die Feder wieder aufgewickelt), um die gleiche Anzahl an Umdrehungen, die du in Schritt 2 gezählt hast — typischerweise 3 bis 4 volle Umdrehungen bei den meisten handgeführten Geräten.
- Halte die Spannung dabei und führe die Schnur in die äußere Kerbe oder den Schlitz des Gehäuses, damit sie aufgewickelt bleibt, und fädle dann das freie Ende durch die Griffbohrung nach außen.
- Lass die Rolle langsam die Schnur straffen, bis diese vollständig ins Gehäuse eingezogen ist und der Griff eng an der Gehäusefläche anliegt.
Schritt 5: Testen, bevor du alles wieder am Motor montierst
- Ziehe den Griff gleichmäßig bis zur vollen Länge heraus. Er sollte sich frei mit gleichmäßigem Widerstand bewegen, ohne Schleifgeräusche.
- Prüfe, ob bei voll ausgezogener Schnur noch mindestens eine Viertel- bis halbe Umdrehung Rollenweg übrig bleibt — schlägt die Rolle hart an, ist sie unterspannt und du musst eine Umdrehung hinzufügen; fühlt es sich an, als würde sie schon nach den ersten Zentimetern bremsen, ist sie überspannt und du solltest eine Umdrehung lösen.
- Lass den Griff unter der eigenen Federspannung zurückziehen — er sollte zügig und gleichmäßig zurückschnellen, nicht schlaff zurückgehen oder auf halbem Weg hängen bleiben.
- Wiederhole das 4-5 Mal, um sicherzustellen, dass die Schnur nicht aus der Rollenrille springt oder am Gehäuserand reibt.
Schritt 6: Wieder am Motor montieren
- Schließe den Zündkerzenstecker erst wieder an, nachdem das Gehäuse festgeschraubt ist — nicht vorher.
- Setze die Gehäuseschrauben über Kreuz wieder ein und ziehe sie gleichmäßig an; das sind meist kleine selbstschneidende Schrauben in Kunststoff oder Leichtmetall, also nicht überdrehen.
- Mache mit montiertem Gehäuse, kaltem Motor und normal eingestelltem Choke einen letzten Zugtest, um das normale Startverhalten zu bestätigen.
Wann du stattdessen einen Händler rufen solltest
- Die Rückholfeder selbst ist gebrochen, verbogen oder aus ihrer Führung gesprungen — eine beschädigte Feder von Hand aufzuwickeln ist ein echtes Verletzungsrisiko, und die Feder muss meist als Ganzes ersetzt werden.
- Der Klinken-/Sperrklinkenmechanismus (der Teil, der tatsächlich ins Schwungrad einrastet) ist verschlissen oder greift nicht, da das ein anderer Fehler als die Schnur ist.
- Die Seilrolle oder das Kunststoffgehäuse sind gerissen, was jede neue Schnur innerhalb weniger Tage zerstört.
- Du hast das schon zweimal gemacht und die Schnur reißt immer wieder an der gleichen Stelle — das deutet auf einen Grat oder Konstruktionsfehler hin, den du nicht vollständig beheben kannst, und für eine Werkstatt mit den richtigen Werkzeugen ist es eine Fünf-Minuten-Arbeit, die Rille nachzuarbeiten.
Kurz-Checkliste
- Zündkerzenstecker ab, bevor der Starter berührt wird
- Feder vollständig entspannt, bevor die Rolle herausgehoben wird
- Richtiger Schnurdurchmesser (typisch 3.0-3.5 mm) und versiegelte Enden
- Knoten bündig in der Vertiefung der Seilrolle sitzend
- 3-4 Vorspannungs-Umdrehungen, Viertel- bis halbe Umdrehung Restweg bei voller Auszugslänge
- Gleichmäßiger Zug, zügiger gleichmäßiger Rückzug, kein Reiben in der Rollenrille
- Zündkerzenstecker erst wieder anschließen, nachdem das Gehäuse montiert ist